Steuervereinfachung durch die Abgeltungsteuer?

Teil 1/2: Das wichtigste zur Abgeltungsteuer

Am 31.12.2008 verabschieden wir das laufende Jahr und am Steuerhimmel zündet die letzte Stufe des Unternehmensteuerreformgesetz und tritt mit seinen letzten Bestandteilen zum 01.01.2009 in Kraft. Dieses Gesetz bringt Änderungen für dreizehn Steuergesetze bzw. Verordnungen. An dieser Stelle sollen jedoch zunächst nur die für den einzelnen Steuerpflichtigen relevanten Teile des Einkommensteuergesetzes betrachtet werden.
Mit der Änderung des Einkommensteuergesetzes wird die sogenannte Abgeltungsteuer zum 01.01.2009 eingeführt. Der schon zum 01.01.2007 verringerte Freibetrag auf Kapitalerträge und die damit einhergehende Streichung des Werbungskostenansatzes zum Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro (für Verheiratete 1602 Euro) war die erste sichtbare Auswirkung für den Steuerpflichtigen.
Die Abgeltungsteuer behandelt die Zuflüsse an Kapitalerträgen aus dem Privatvermögen. Nicht betroffen von der Abgeltungsteuer sind die Kapitalerträge, die einem Unternehmen zufließen. Nach Umfragen haben über 65 % der Deutschen bisher von der neuen Steuer noch nichts gehört oder sie haben sich noch nicht damit beschäftigt, weil sie der Meinung sind, sie seien nicht betroffen.
Die Abgeltungsteuer ist eine Quellensteuer, setzt also an der Ertragsquelle an. Erfaßt werden grundsätzlich alle Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden. Neu ist die Besteuerung der Erträge aus Wertpapiergeschäften, d. h. der Wertzuwachs bei einem Verkauf ist zukünftig unabhängig von der Haltedauer zu versteuern. So betrachtet ist die Abgeltungsteuer auch eine Wertzuwachssteuer. Die Spekulationsfrist von einem Jahr entfällt. Ausgenommen von der Abgeltungsteuer sind Immobilienveräußerungen. Hier bleibt es wie bisher bei der zehnjährigen Spekulationsfrist und dem steuerfreien Veräußerungsgewinn nach 10 Jahren.

Was heißt nun „Abgeltung“?

Mit dieser Steuer werden alle Ansprüche des Finanzamtes aus dem Zufluß von Kapitalerträgen bei einem proportional feststehenden Steuersatz in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggfs. Kirchensteuer „abgegolten“. Insgesamt betrachtet liegt die Steuerbelastung also bei rund 28 Prozent.
Die depotführenden Kreditinstitute behalten die fälligen Steuern ein und führen diese an die Finanzverwaltung ab. Damit ist die Besteuerung abgegolten und abgeschlossen. In der anschließenden Einkommensteuererklärung werden diese Kapitalerträge nicht mehr erfaßt und somit nicht mehr berücksichtigt. Hier liegt die vermeintliche Steuervereinfachung.
Aber schon im theoretischen Ansatz, spätestens in der praktischen Umsetzung wird man feststellen müssen, daß dieses Gesetz mit einem gigantischen Mehraufwand an Arbeit verbunden ist. Steuerpflichtige mit einem Grenzsteuersatz über 25 Prozent sind die Gewinner. Sie brauchen ihre Kapitalerträge nicht mehr mit ihrem individuellen höheren Steuersatz versteuern, sondern nur noch in Höhe der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Steuerpflichtige mit einem Grenzsteuersatz unter 25 Prozent haben die Möglichkeit, die zwischen ihrem individuellen Steuersatz und dem höheren Abgeltungsteuersatz entstandene Mehrbelastung durch die Erklärung der Kapitalerträge im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung auszugleichen und sich die zu viel abgeführten Beträge beim Finanzamt wiederzuholen.
Nach den Vorstellungen der Finanzverwaltung sollen die Kreditinstitute spätestens ab dem Jahr 2011 auch die Kirchensteuer für den Steuerpflichtigen abführen. Die dafür notwendige Datenbank soll beim Bundeszentralamt für Steuern eingerichtet werden.
Bis dahin hat der Steuerpflichtige zwei Möglichkeiten. Entweder teilt er seinem Kreditinstitut seine Religionszugehörigkeit mit und diese übernimmt die Erhebung der Kirchensteuer oder der Steuerpflichtige hat im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung dem Finanzamt die Höhe der Abzugsteuer mitzuteilen, wonach das Finanzamt die zutreffende Kirchensteuer festsetzt. Datenschutzrechtliche Bedenken und der mögliche Verstoß gegen Artikel 4 des Grundgesetzes wurden scheinbar außer acht gelassen.
Die Abgeltungsteuer führt zu gravierenden Veränderungen der Rahmenbedingungen in der Altersvorsorge des einzelnen Steuerpflichtigen. Der Steuerpflichtige muß sich durch den Dschungel der Steuergesetze kämpfen und eine Vielzahl von Details bedenken, um nicht in einer Steuerfalle zu landen. Selbst Steuerberater verlieren bei der Vielzahl der Anlageformen manchmal den Überblick.
Zum Schluß aber die gute Nachricht: Abgesehen von wenigen Ausnahmen (z. B. Zertifikaten) unterliegen alle Investitionen vor dem 01.01.2009 dem alten Recht.

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Über den Autor

Jürgen Rentner
Dipl. Ingenieur für Hochbau
Paßbild unseres Experten Jürgen Rentner

Die Immobilientrends des beginnenden 21. Jahrhunderts zu erfassen, die dahinterliegende Dynamik zu begreifen und die Ereignisse in Frage stellen, d. h. das Eigenleben der immer komplexer werdenden Immobilienwirtschaft zu ergründen, darin, so meine ich, besteht die Zielsetzung im Rahmen meiner Aktivitäten für den Immobilientutor. Auf das Sie in einer zum Teil unüberschaubaren Immobilienwelt wieder die Übersicht gewinnen.
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