Der Immobilienmarkt in der Russischen Föderation

Als Bestandteil der allgemeinen Stabilisierung in der Russischen Föderation ist auch beim Erwerb und der Realisierung von Eigentumsrechten an Grund und Boden eine weitere Beruhigung eingetreten.
Grundsätzlich können neben inländischen nun auch ausländische Rechtssubjekte Grund und Boden in der Russischen Föderation erwerben. Allerdings gibt es Einschränkungen, die durch das föderale Registrierungsamt (Rosregistrazija) beaufsichtigt werden. Unter anderem dürfen ausländische Rechtssubjekte und staatenlose Personen keine landwirtschaftlich genutzten Flächen und keine Grundstücke in Grenzgebieten bzw. Sonderterritorien erwerben.
Die Eigentumsrechte von ausländischen Rechtssubjekten werden durch das föderale Registrierungsamt, welches über seine Regionalbehörden föderationsweit etabliert ist, registriert. Ähnlich der Handhabung in Polen werden Regelverstöße mit hohem Aufwand verfolgt.
Anfang Juli 2007 hat die russische Staatsduma in dritter und letzter Lesung das von der Föderationsregierung vorgelegte Gesetz über ein einheitliches Grundbuch verabschiedet. Dieses Gesetz ist am 01.03.2008 in Kraft getreten und gibt der Administration die Errichtung eines einheitlichen Liegenschaftskatasters nach europäischem Vorbild auf. Damit wird die Zweiteilung der Grundbücher in Rußland beendet. Bisher war es so, daß ein Grundbuch die Eigentumsrechte an den Grundstücken ausgewiesen hat, das andere Grundbuch hat die Eigentumsrechte an Immobilien (z. B. Gebäuden) bezeichnet.
Das einheitliche Grundbuch besteht aus drei Teilen, dem Liegenschaftsregister, den Katasterangelegenheiten und den Katasterkarten. Es ist beabsichtigt, das neue Grundbuch auf elektronischer Basis zu führen. In diesem Zusammenhang ist der Beruf eines Katasteringenieurs entstanden.
Nicht zuletzt aufgrund des Rohstoffreichtums boomt die russische Wirtschaft. Der Lebensstandard der Russen hat sich insbesondere unter der Präsidentschaft von Vladimir Putin beachtlich erhöht. Umfragen bestätigen die Zufriedenheit der Russen mit dieser Entwicklung. Die in den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends vielerorts anzutreffende Depression ist einer landesweiten Zuversicht und einem Vertrauen in die Zukunft gewichen. Dies bedeutet, daß nahezu in allen Bereichen der russischen Volkswirtschaft rasant investiert wird, sowohl inländische als auch ausländische Investitionen.
Im Jahre 2007 sind in Rußland 5 Millionen Familienhaushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 30.000 US-Dollar gezählt worden. Diese Familien gelten als gut situiert. Aus russischer Sichtweite können sich diese Familien ein Auto bzw. eine Wohnung kaufen.
Nach einer Erhebung der britischen Agentur „Global Property Guide“ präsentiert sich Moskau als drittteuerste Stadt in Bezug auf die Immobilienpreise. In Moskau beträgt nach dieser Studie der Quadratmeterpreis 10.764 US-Dollar bis 20.506 US-Dollar. Circa 70 % bis 75 % des russischen Immobilienvermögens sind in privater Hand. Dort werden Luxuswohnungen zu einem Stückpreis ab 2.000.000 US-Dollar gehandelt. Wohnungen der „Business-Klasse“ machen 70 % bis 80 % der Moskauer Neubauwohnungen aus und sind ab 500.000 US-Dollar zu haben.
Im Vergleich zu den Vorjahren ist es zu Wertsteigerungen von bis zu 100 % gekommen. Einfache Wohnungen konnten einen Wertzuwachs von 7 %, Komfortwohnungen von 6,7 % und Luxusimmobilien von 6 % verzeichnen. Einen besonderen Wertzuwachs haben 1-Zimmer-Wohnungen erfahren: Betrug der Preis Ende 2007 für eine einfache 1-Zimmer-Wohnung (ca. 35 qm) in etwa 160.000 US-Dollar so hatte sich der Preis im Februar 2008 bereits auf ca. 190.000 US-Dollar erhöht.
Die rasante Entwicklung betrifft nicht nur Wohnimmobilien. Auch bei Gewerbeimmobilien nimmt Russland eine Spitzenposition bezüglich des Umfanges der Schaffung neuer Geschäftsflächen ein. Hiervon sind alle Regionen der Russischen Föderation betroffen. Russlandweit wurde für 2008 und 2009 eine Gesamtfläche neuer Handelzentren zu einem Quorum von 3,2 Millionen qm prognostiziert. Im Jahre 2007 sind in den russischen Immobilienmarkt ca. 15 Milliarden US-Dollar an Auslandsinvestitionen geflossen. Diese Summe entspricht in etwa 18 % des Gesamtumfanges ausländischer Anlagen im Bereich der russischen Wirtschaft in diesem Zeitraum. Im Jahre 2006 hatte sich dieses Investitionsvolumen noch auf 4,23 Milliarden US-Dollar belaufen. Die Investitionssumme in 2007 teilt sich zu 60 % auf Handelsliegenschaften, zu 23 % auf Büroflächen, zu 12 % auf Hotels und zu 5 % auf Lagerflächen auf. Es ist somit festzustellen, daß ausländische Investoren verstärkt in den Wohnungsmarkt in der Russischen Föderation drängen.
Auch in den nächsten Jahren ist mit einem Anstieg des ausländischen Engagements auf dem russischen Immobilienmarkt zu rechnen. So hat die japanische Finanzgruppe Aruji einen Investitionsfonds für russische Immobilien gegründet. Die Investitionsmenge wird bis 2011 1,8 Milliarden US-Dollar betragen. In der Vergangenheit hatten sich insbesondere japanische Investoren mit einem Engagement auf dem russischen Markt zurückgehalten. Der jetzige Meinungswechsel kann als Indiz für das sich ständig verbessernde Investitionsklima und die damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen in Russland gewertet werden.

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