REITs haben oft Immobilien im Millardenwert im Portfolio und lassen sich daher besser analysieren
Transparenz ist ein beliebtes Stichwort von Verbraucherschützern und Anlageexperten. Bezogen auf Immobilieninvestments bedeutet Transparenz,
dass ein Anleger genau die Objekte bekommt, in die er sein Geld auch anlegen möchte und dass die Entwicklung der Geldanlage leicht nachvollziehbar
ist. Ganz einfach ist die Frage nach Transparenz bei Einzelimmobilien zu beantworten: Hier kauft ein Anleger „wie gesehen“ und kann bei Bedarf
Gutachter hinzuziehen, um sich ein umfassendes Bild einer Immobilie zu machen. Doch ist es ratsam, auf die absolute Transparenz von
Einzelimmobilien zu Gunsten einer breiteren Risikostreuung zu verzichten. Hier kommen wieder Fonds und REITs ins Spiel, die ihr Portfolio
ausgewogener diversifizieren und in verschiedene Anlageobjekte investieren.
Geschlossene Immobilienfonds sind meist schwer zu verstehen
Geschlossene Immobilienfonds haben die Eigenschaft, dass ihre Anteilsscheine nach Auflegung nicht an die Fondsgesellschaft zurückgegeben
werden können. Vielmehr wird der Erfolg des Fonds hier an die Entwicklung eines konkreten Objekts bis zu einem festgelegten Stichtag geknüpft. Erst
dann werden die in Aussicht gestellten Gewinne ausgezahlt. Meist liegen zwischen Auflegung und Auszahlung eines geschlossenen Immobilienfonds
mehrere Jahre. Oft investieren diese Fonds in Einzelhandelsimmobilien, Feriendomizile oder andere Großprojekte. Auf den ersten Blick weisen
geschlossene Fonds also eine hohe Transparenz auf, da diese Fonds meist in ein konkretes Projekt investieren. Anleger können einen Fondsprospekt
einsehen sowie konkrete Aussagen über Art und Ziel des gemeinsamen Projekts beim Emittenten erfragen. Doch fehlt den meisten Investoren die
Expertise, sich zu Großprojekten geschlossener Immobilienfonds ein unabhängiges Bild machen zu können. Wer hat schon die Erfahrung und kann den
Erfolg eines Einkaufszentrums in einer mittelgroßen deutschen Stadt auf Sicht von mehreren Jahren prognostizieren?
Vorsicht vor Worthülsen – Jahresberichte sind oft unverständlich
Eine geringere Transparenz als geschlossene Immobilienfonds weisen offene Immobilienfonds auf. Hier wird in mehrere Objekte investiert. Laut
Gesetz muss ein offener Immobilienfonds in mehr als fünfzehn Objekte investieren. Gleichzeitig darf der Wert eines Objekts zum Zeitpunkt der
Anschaffung nicht mehr als fünfzehn Prozent des Fondsvermögens ausmachen. Tatsächlich verwalten offene Immobilienfonds häufig mehr als einhundert
Objekte. Um einen Einblick in das Portfolio des Fonds zu bekommen, müssen Anleger den Jahresbericht ihres Fonds abwarten. Die Fondsgesellschaften
sind gesetzlich dazu verpflichtet, zweimal jährlich Rechenschaft über die Wertentwicklung des Projekts abzulegen. Dabei legen Gesellschaften auch
liquide Mittel offen, stellen neue Objekte vor oder wagen einen Ausblick in die Zukunft des Fonds. Da diese Berichte meist sehr umfangreich sind
und viele Gesellschaften selbst negative Entwicklungen gekonnt in branchentypische Worthülsen verpacken, müssen Anleger diese Berichte genau lesen.
Selbst wenn Probleme mit offenen Immobilienfonds publik werden, besteht die Gefahr, dass bereits zahlreiche Anleger ihre
Fondsanteile eintauschen wollen und der Fonds vorübergehend geschlossen werden muss. Es empfiehlt sich skeptischen Anlegern daher, die einschlägige
Fachpresse zu beachten und meist schon vor Veröffentlichung der Geschäftsberichte zu recherchieren. Nichtsdestotrotz bringen die
Veröffentlichungspflichten bei offenen Immobilienfonds Kleinanlegern nur geringe Vorteile: Vielmehr führen die festen Termine dazu, dass zahlreiche
Anleger im Falle von Schieflagen gleichzeitig die Flucht aus dem Fonds suchen.
REITs stehen ständig unter Beobachtung
Anders als bei geschlossenen und offenen Immobilienfonds stehen REITs ständig unter Beobachtung der Öffentlichkeit. Neben der für
Aktiengesellschaften obligatorischen vierteljährlichen Berichtspflicht werden REITs von einer Vielzahl von Aktionären und Analysten börsentäglich
beurteilt und genau unter die Lupe genommen. Durch die große Diversifikation der Immobilienportfolios lässt sich die weitere Entwicklung von REITs
im Vergleich zu Fonds besser anhand volkswirtschaftlicher Daten beurteilen – es ist also anders als bei Fonds viel weniger relevant, wie sich ein
einzelnes Objekt entwickelt. Zwar ist es REIT-Aktionären nahezu unmöglich, sämtliche Objekte zu begutachten, um sich so ein genaues Bild der
Immobilien machen zu können, doch ist dies gar nicht nötig: Die Masse der Objekte führt dazu, dass „Einzelfälle“ kaum ins Gewicht fallen. Sollten
einzelne REITs doch einmal Probleme bekommen, zeigt der Aktienkurs unmittelbar, wie es um eine Gesellschaft bestimmt ist. So können Anleger selbst
unabhängig von Analysten und Quartalszahlen erkennen, wenn etwas „faul“ ist. Da REITs zudem nicht wie Immobilienfonds mit Ausgabeaufschlägen
belastet werden, lohnt sich sogar der aktive Handel oder der Verkauf auf Verdacht – eine derartige Verkaufspanik wie bei offenen Immobilienfonds
ist bei REITs ausgeschlossen.