Immobilienerwerb über Zwangsversteigerungen

Teil 3/3: Tips und Hinweise

Allgemeine Tips, um Wagnisse einer Zwangsversteigerung einzugrenzen
  1. Da es für zwangsversteigerte Objekte weder Gewährleistungen gibt noch Haftungen für Mängel übernommen werden, ist es ratsam, die Immobilie mit einem Experten mindestens zweimal zu besichtigen. Das zweite mal kurz vor dem Versteigerungstermin, weil einige Zeit vergehen kann, bis ein Haus endgültig versteigert wird. Zwischenzeitlich könnte der Verkehrswert nicht mehr aktuell sein oder es haben sich Veränderungen ergeben.
  2. Es empfiehlt sich, vorab andere Zwangsversteigerungen zu besuchen, um einen persönlichen Eindruck darüber zu erhalten, wie Versteigerungen ablaufen.
  3. Da Sie keinen Anspruch darauf haben, daß Ihnen der Eigentümer oder Mieter der zu versteigernden Immobilie Zutritt gewährt, bleibt nur das Verkehrswertgutachten des Amtsgerichtes, um sich ausführlich über den Zustand der Immobilie zu informieren. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, das Verkehrswertgutachten sehr aufmerksam durchzuarbeiten, um nichts zu übersehen, was für die eigene Entscheidung und insbesondere das maximale Höchstgebot relevant sein könnte.
  4. Wer umbauen möchte, sollte vorher das Stadtplanungsamt konsultieren und auf jeden Fall das Grundbuch in Ruhe einsehen. Das Grundbuch gibt Auskunft über mögliche Dauerwohnansprüche, Wegerechte, Belastungen und anderen Hypotheken, die zu berücksichtigen sind.
  5. Wird eine Eigentumswohnung ersteigert, ist die vorherige Einsicht in die Teilungserklärung, die Gemeinschaftsordnung und die Protokolle der Eigentümergemeinschaft zu empfehlen. Ein Gespräch mit dem Verwalter klärt auf, wie hoch Wohngeld und Instandhaltungsrücklagen sind und inwieweit in nächster Zeit größere Reparaturen anstehen.
  6. Die zwangsversteigerte Immobilie sollte möglichst günstig erworben werden, weil vorher niemand bis ins allerletzte Detail einschätzen kann, welche Kosten im Nachhinein hinzukommen. Diese Wagnisse sollten durch einen niedrigen Preis ausgeglichen werden.
  7. In der Bietstunde sollte unbedingt am maximalen Höchstgebot festgehalten werden. Schließlich wurde dieses Höchstgebot mit aller Vorsicht und unter Berücksichtigung der entscheidungsrelevanten Fakten ermittelt. Gegebenenfalls sollten Sie den anderen Bietern den Vortritt lassen.
  8. Bei Unklarheiten zum geringsten Gebot oder den Versteigerungsbedingungen im Rahmen der Bietstunde wenden Sie sich an den Rechtspfleger.
  9. Sichern Sie vor der Zwangsversteigerung die Finanzierung ab.
  10. Bedenken Sie auch, daß Sie mit der Erteilung des Zuschlags Eigentümer werden. Das zählt als Vertragsabschluß. Ein Rücktrittsrecht besteht nicht und Reklamationen im Nachhinein werden nicht anerkannt.
  11. Berücksichtigen Sie, daß sich nicht alle, deren Immobilie versteigert wurde und die noch darin wohnen, den Umständen entsprechend einsichtig und kooperativ verhalten. Manchmal müssen Sie auch hier zu Rechtsmitteln greifen.
  12. Bei speziellen Fragen und Problemen vor der Zwangsversteigerung unbedingt sollten Sie einen Anwalt oder Immobilienexperten konsultieren, denn lohnende und günstige Immobilien aus Zwangsversteigerungen sind nur dann zu identifizieren, wenn Sie vorher über die entsprechenden Informationen verfügen. Anderenfalls stehen auch hier die Wagnisse und Risiken in keinem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis zu den gesetzten Erwartungen.

Artikelinformationen:

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Über den Autor

Jürgen Rentner
Dipl. Ingenieur für Hochbau
Paßbild unseres Experten Jürgen Rentner

Die Immobilientrends des beginnenden 21. Jahrhunderts zu erfassen, die dahinterliegende Dynamik zu begreifen und die Ereignisse in Frage stellen, d. h. das Eigenleben der immer komplexer werdenden Immobilienwirtschaft zu ergründen, darin, so meine ich, besteht die Zielsetzung im Rahmen meiner Aktivitäten für den Immobilientutor. Auf das Sie in einer zum Teil unüberschaubaren Immobilienwelt wieder die Übersicht gewinnen.
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