Ökologischer Heizungs-, Sanitär- und Klimabau

Teil 1/3: Heizungstechnik „State of the art“

Das Thema ökologische, energiesparende Versorgungstechnik ist heute nicht nur aus Kostengründen in aller Munde. Herr Frank Schleifenbaum, Experte für Versorgungs- und Energietechnik, verfügt über reichlich Erfahrung in diesem Metier und stand uns Rede und Antwort. Seit mehr als 20 Jahren ist er bei der Instandsetzung von Altbauten als Bauleiter für seine Haustechnikfirma tätig und war auch beim Bau des bekannten Sony-Centers am Potsdamer Platz in Berlin aktiv.
Wohnräume optimal zu heizen bedeutet, dem menschlichen Wohlgefühl und Wärmeempfinden gerechtzuwerden und dabei Ökonomie und Ökologie soweit möglich Rechnung zu tragen. Daher bieten sich idealerweise möglichst große Heizflächen an. Große Flächen, die gleichmäßig Strahlungswärme abgeben, kommen dem menschlichen Wärmeempfinden am stärksten entgegen. Sie bieten nachweislich auch bei real niedrigeren Raumtemperaturen eine behaglichere Wohnatmosphäre als die früher üblichen Heizkörper.
Lange Zeit verband sich mit zentralen Heizungsanlagen die Vorstellung von Rippen- oder Flächenheizkörpern, meist in Nischen unter dem Fenster untergebracht. In der Altbaumodernisierung ist diese Heizungsform in der Umrüstung auf eine Zentralheizung vielfach noch heute die Regel. Diese Heizkörper sind aber letztlich Punktquellen der Wärmeentwicklung und produzieren zwangsweise eine Luftumwälzung, die subjektiv durch die entstehende Luftbewegung als weniger gemütlich wahrgenommen wird.
Üblicherweise setzen diese Heizkörper circa 60 Prozent der Energie in Konvektionswärme und nur 40 Prozent in Strahlungswärme um. Dies bedeutet, daß über dem Heizkörper, mit seiner Wasservorlauftemperatur von 70 bis 90 Grad Celsius, die Luft erhitzt wird und als trockene Warmluft bis zur Zimmerdecke aufsteigt und an der gegenüber liegenden Zimmerwand diese Luft wieder ab sinkt. So entsteht eine gewollte Luftwalze die den Raum heizt aber eben auch eine relativ hohe Staubbelastung durch den Staubtransport der Luft.
Als wesentlich angenehmer werden vom Menschen dagegen Heizungssysteme wahrgenommen, die über möglichst große Flächen Strahlungswärme abgeben, wie bei einer Fußbodenheizung.
Diese Art des Heizens hat mit einer Punktquelle nichts mehr gemein und eine Luftwalze trockener Warmluft entsteht erst gar nicht. Dank der enorm großen Flächen sind hier Vorlauftemperaturen von maximal 45 Grad Celsius völlig ausreichend, was Verluste vermeidet und die Verbrauchskosten in der Regel um 50 Prozent reduziert. Die geringere Wärmeabstrahlung in der Großfläche mindert aber nicht nur Staubbelastung, Lufttrockenheit und Kosten. Die niedrigere Vorlauftemperatur ermöglicht auch den Einsatz hocheffizienter, alternativer Heizungssysteme wie elektrisch betriebene Wärmepumpen in Verbindung mit Solarthermieanlagen, die mit ihrer Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen und deren steigenden Marktpreisen punkten.
Neben den bekannteren Fußbodenheizungen werden mittlerweile auch Wandheizungen eingesetzt, die aber im Wohnungsbau nur äußerst begrenzt einsetzbar sind, da die dann belegten Wände dauerhaft frei bleiben müssen, d. h. nicht einmal ein Nagel für ein Bild darf in die Wand, da die Gefahr viel zu groß ist, eines der Wasser führenden Rohre zu treffen und einen Wasserschaden hervor zu rufen.
Eine Flächenheizung macht aus der eingesetzten Energie ganze 70 Prozent Strahlungswärme und nur 30 Prozent Konvektionswärme. Mit jedem modernen Fußboden aus Teppich, Fliesen oder Holz einsetzbar, eignen sich Fußbodenheizungen ideal für angenehm fußwarme Böden, insbesondere zum Beispiel im privaten Badezimmer. Auch im öffentlichen Raum gibt es für die Verwendung von Fußbodenheizungen in der Regel keinerlei Einschränkungen, sie bewähren sich in Büros ebenso wie in öffentlichen Bädern. Menschen mit Venenproblemen, mit Kreislauf- oder Thromboseproblemen könnten allerdings erwägen, statt einer Fußbodenheizung lieber andere Heizsysteme zu nutzen.
Letztlich erfordern diese Art großflächiger Heizsysteme, ob als Fußbodenheizung oder als Wandeinbau, erhebliche Umbauten und umfangreiche Investitionen, wenn sie nachträglich eingebaut werden sollen. Vorrangig bieten sie sich daher für Neubauten an, wenn Kriterien wie Wohnkomfort und Ökologie eine Rolle spielen. Beim Thema Wohnkomfort sind auch die Allergiker klar im Vorteil, vor allem diejenigen, die auf Hausstaub reagieren, da eine Flächenheizung wie die Fußbodenheizung dem Aufwirbeln entgegen wirkt. Eine Luft- und Staubumwälzung, wie bei den herkömmlichen Heizkörpern, tritt überhaupt nicht oder nur in sehr geringem Maße auf.
Für die Fußbodenheizung eignen sich hervorragend sogenannte Kapillarrohrmatten. Diese Matten haben in der Heizfläche eine Gesamthöhe von nur 4 bis 5 mm und können z. B. als Fußbodenheizung im Kleber der Bodenfliesen verlegt werden. Dies bewirkt eine sehr geringe Aufheizzeit des Raumes, die durch kein anderes Heizsystem erreicht werden kann.
Umgekehrt können sie im Gewerbebau auch in abgehängten Decken oder in der Betondecke eingelegt werden mit der dann umschaltbaren Funktion des Kühlens und Heizens.

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Über den Experten

Frank Schleifenbaum
Dipl. Ingenieur
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Bauleitung ist vergleichbar mit dem altrömischen Wagenrennen: Acht bekloppte Gäule kurz vorm Durchgehen, ein kippliger Wagen hintendran und der Bauleiter darauf in voller Karriere um die Kurven immer darauf achtend nicht umzufallen.
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