Ökologischer Heizungs-, Sanitär- und Klimabau

Teil 2/3: Lüftungstechnik bringt Lebensqualität

Lüftungstechnik wurde zuerst in Arbeitsräumen und Großraumbüros eingesetzt, um Räume, die von vielen Menschen genutzt werden, hinreichend mit Frischluft zu versorgen. Heute ist es bei Raumtiefen oberhalb von 6 Metern laut DIN zwingend erforderlich, eine Lüftungsanlage zu integrieren. In Hochhäusern ist es grundsätzlich nicht möglich, oberhalb der 20. Etage Fenster zu öffnen. Hier wird die gut geplante Lüftung zu einem wesentlichen Parameter für die Qualität der Arbeits- oder Wohnumgebung. In der Regel ist dabei vor allem die sogenannte „Kühllast“ abzuführen. Das heißt, die im Raum gestaute Wärme muß zur Erhaltung eines passablen Raumklimas abgeführt werden. Sie entsteht durch die Abwärme elektrischer Geräte wie Computer oder Beleuchtung, durch die vom Menschen abgegebene Körperwärme oder auch durch Sonneneinstrahlung.
Verbreitet werden deshalb große Lüftungsanlagen installiert, welche frische gekühlte und gereinigte Luft in den Raum blasen. Die Luft erwärmt sich dann im Raum und wird warm wieder abgesaugt. Diese Vorgehensweise, über die Zuführung gekühlter Luft die Wärme im Raum zu verringern, ist aber nicht besonders effektiv, da Luft Wärme schlecht leitet. Um eine Bürofläche angemessen zu kühlen, ist ein vier- bis fünfmaliger Luftwechsel pro Stunde erforderlich. Das gesamte Luftvolumen des Raumes wird vier bis fünf mal pro Stunde herausgesaugt und ersetzt. Diese kontinuierlich erforderliche Luftumwälzung bringt natürlich eine erhöhte Staubbelastung mit sich und zum Teil reagieren zugempfindliche Mitarbeiter auf die erhöhte Luftbewegung empfindlich. Auch ist der Energieaufwand für diese Klimatisierung erheblich.
Wesentlich angenehmer und gleichzeitig ökonomischer ist, über große Flächen dem Raum die überschüssige Wärme zu entziehen und dabei Wasser als guten Wärmeträger einzusetzen, z. B. in einer Kühldecke unter Einsatz von Kapillarrohrmatten. Bei dieser Klimatisierungsmethode kann man den stündlichen Luftwechsel sogar in einem Raucherzimmer auf das eineinhalb- bis zweifache Raumvolumen pro Stunde reduzieren, da nur der aus hygienischen Gründen erforderliche Luftwechsel erbracht werden muß. Die höheren Anfangsinvestitionen in eine Kühldecke rechnen sich unbedingt, denn gegenüber der Luftkühlung verringert sich der kontinuierliche Energieverbrauch um etwa 50 Prozent. Darüberhinaus gibt es noch weitere Vorteile. Die Ventilatoren drehen mit niedrigerer Geschwindigkeit und damit sinken Geräusch- und Staubbelastung sowie Zuggefahr. Zudem erlauben die geringeren Luftvolumina kleinere Lüftungskanäle, was wegen besserer Ausnutzung der Bauhöhe niedrigere Räume ermöglicht. So können die Baukosten für die Kühldecke durch Einsparungen an Baumaterial wegen der verringerten Geschoßhöhe teilweise wieder ausgeglichen werden. Selbstverständlich sollte eine Kühldecke im Winter als Heizungssystem genutzt werden. Hier greifen dann wieder die oben beschriebenen Vorteile extrem großer Heizflächen. Bei einem üblichen Wärmebedarf pro Quadratmeter von 45-60 Watt bringt eine Strahlungsheizdecke pro Quadratmeter etwa 40 Watt und der erforderliche Rest läßt sich leicht über die Lüftungsanlage zuführen. Dies trifft sich gut damit, daß eine Fußbodenheizung im reinen Gewerberaum in der Regel wenig geeignet ist, da hier oftmals Hohlraumböden installiert werden. Das heißt, auf der Betondecke liegt auf Stelzen ein normalerweise vollständig reversibler zweiter Boden. In diesem Zwischenraum sind dann alle Versorgungsleitungen verlegt und somit immer wieder mit nur geringem Aufwand erreichbar.
Diese Bauweise kam auch in Teilbereichen des Sony Centers in Berlin zur Anwendung. Auf die Nutzflächen reduzierende Installation von Heizkörpern kann somit, bei Einsatz einer Strahlungsheizdecke, verzichtet werden.

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Über den Experten

Frank Schleifenbaum
Dipl. Ingenieur
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Bauleitung ist vergleichbar mit dem altrömischen Wagenrennen: Acht bekloppte Gäule kurz vorm Durchgehen, ein kippliger Wagen hintendran und der Bauleiter darauf in voller Karriere um die Kurven immer darauf achtend nicht umzufallen.
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