Ökologischer Heizungs-, Sanitär- und Klimabau

Teil 3/3: Sanitärtechnik

Im Sanitärbereich stellt sich der Bauherr meist die Frage, wie kann ich Wasser und Energie sparen. Die Bundesbürger sparen aber schon heute in erheblichem Umfang Wasser ein, z. B. durch Spülkästen mit Wasserstoptaste. Das macht die Klärwerke allerdings wenig glücklich, da diese teils frisches Wasser zulaufen lassen müssen, um ihre Reinigungsprozesse durchführen zu können, weil sie durch die verringerte Wassermenge an ihre Effektivitätsgrenze gebracht werden. Der bundesweite Rückgang um etwa 20 Prozent des privat gebrauchten Wassers wächst sich in den großen Städten auch zu einer Belastung für die Abwasserkanäle aus. Diese wurden teilweise schon vor hundert Jahren ebenfalls auf andere Abwasserlasten ausgelegt und sind nun deutlich verrottungsgefährdeter. Dabei ist Deutschland insgesamt ja wahrlich kein Wassermangelgebiet.
Beim Energieverbrauch im Sanitärbereich ist allerdings jede Einsparung ein Segen, da fast immer fossile Energie für die Wassererwärmung genutzt wird, deren Preis kontinuierlich steigt. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen ist es sinnvoll, die Warmwasserbereitung möglichst in einem zentralen Kessel pro Haus zu organisieren, da dieser innerhalb von Sekunden 50 Grad heißes Wasser zur Verfügung stellen kann und im Wirkungsgrad einer Einzelquelle wie der Gastherme oder dem Durchlauferhitzer immer überlegen ist. Dennoch ist die Warmwasserbereitung mit der Gastherme oder gar im per Strom betriebenen Durchlauferhitzer in der Einzelwohnung noch immer sehr verbreitet. Im Regelfall müssen hier aber 5 bis 6 Liter Wasser durch die Therme erwärmt werden, bis heißes Wasser aus dem Hahn kommt. Den Verbrauchsvorteilen einer zentralen Warmwasserbereitung stehen jedoch die Investitionen für deren Aufbau entgegen, welche deutlich höher sind als die Installation einzelner Thermen in den Wohnungen.
Bei einem selbstgenutzten Haus für ein bis zwei Familien bietet sich die zentrale Warmwasserbereitung über die gleiche Solarthermie, einer Anlage mit Wärmepumpe, wie bei der Fußbodenheizung, auch in unseren Breiten an. Die Sonnenwärme wird via Dachkollektoren eingefangen und in einem zentralen Brauchwasserspeicher, in einem Boiler von 250 bis 300 Liter Volumen gespeichert. In den quasi unverwüstlichen Dachkollektoren werden dieselben Kapillarrohrmatten eingesetzt, die auch in Kühldecken oder Fußboden- bzw. Wandheizungen eingesetzt werden. Eine bewährte und robuste Technik, zumal jede einzelne Matte, ehe sie das Werk verläßt, mit einem Prüfdruck von 20 bar abgedrückt wird, um einen Wasserschaden mit absoluter Sicherheit ausschließen zu können. Nicht umsonst geben die Produzenten zum Teil 50 Jahre Garantie auf diese Kapillarrohrmatten. Einzig die kleine, relativ preiswerte Pumpe muß in diesen Systemen als Verschleißteil eingeschätzt werden, daß circa alle 9 bis 10 Jahre erneuert werden muß.
Der Einbau solcher Solarthermieanlagen lohnt vor allem im Neubau, auch aufgrund der möglichen, zum Teil recht erheblichen, staatlichen Förderung. Das Nachrüsten ist wesentlich aufwendiger, aber in der Regel auch realisierbar.
Abschließend möchte Herr Schleifenbaum unseren Lesern noch einen guten Rat mit auf den Weg geben:
„Nach all meiner Erfahrung kann ich jedem Bauherrn nur dringend anraten, einen Fachingenieur für die Haustechnik, einen Elektroingenieur und einen Fachingenieur für den Hochbau als Bauleiter und -überwacher einzusetzen, die den Bauherrn persönlich über das gesamte Projekt, also von der Planung bis zur letzten Bauabnahme, begleiten und die gesamte Bauausführung durch stichprobenartige Kontrollen überwachen. Diese drei Ingenieure kosten den Bauherrn eines Einfamilienhauses zusammen vielleicht an die 6.000 Euro. Kein Mensch kauft sich für 50.000 Euro ein Auto, ohne sich im Markt umgesehen zu haben. Doch beim 'Häuslebau', wo es ganz schnell um eine Investition von 300.000 oder 400.000 Euro geht, gehen die Leute blauäugig ran, so nach dem Motto, der 'GU' hat doch für alles die Verantwortung und wird es schon richtig machen.
Wie oft habe ich das schon zu hören bekommen: 'Das ist der helle Wahnsinn, ein Irrsinn, ein Schwachsinn'?
Da können die Menschen durch einen Mehraufwand von knapp 2 Prozent der Bausumme wirklich zusätzlich Sicherheit gewinnen und eventuell sogar auch noch dadurch etwas sparen, daß der Fachingenieur ein Auge auf die Ausführung und die Preise hat. Kleinere Mängel, die bei der Abnahme festgestellt wurden, lassen sich immer in einer Reduzierung der Gesamtrechnungssumme darstellen.
Und vielleicht werden dann auch die Neubauruinen seltener, die z. B. durch massiven Pfusch am Bau hervorgerufenen Schimmel in den Wänden dauerhaft nicht bewohnbar sind, aber auch nicht wieder abgerissen werden dürfen, weil sich keine Deponie für den massiv kontaminierten Bauschutt findet. Von den dadurch bis an ihr Lebensende hoch verschuldeten Bauherren mal ganz zu schweigen.“

Artikelinformationen:

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Über den Experten

Frank Schleifenbaum
Dipl. Ingenieur
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Bauleitung ist vergleichbar mit dem altrömischen Wagenrennen: Acht bekloppte Gäule kurz vorm Durchgehen, ein kippliger Wagen hintendran und der Bauleiter darauf in voller Karriere um die Kurven immer darauf achtend nicht umzufallen.
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