Baukostenindex und Baupreisindex

Teil 4/4: Beispiel und Praxis

Es ist das erklärte Ziel, daß die Baupreisindizes die reinen Baupreisveränderungen widerspiegeln und das so genau wie irgend möglich.

Beispiel für die Fortschreibung eines Baupreises

Im Rahmen der Fortschreibung eines Baupreises muß darauf geachtet werden, daß alle für die Berechnung der Fortschreibung benötigten Faktoren aus dem gleichen Basiszeitraum stammen. Ist dies nicht der Fall, muß, wie in Teil 2 dieses Artikels unter „Warum gibt es Basisjahre?“ beschrieben, vorher eine Umbasierung auf das gewünschte, nicht im Basiszeitraum liegende Jahr, vorgenommen werden. Die nachfolgende Baukostenfortschreibung bezieht sich auf das Basisjahr 2000 und somit auf den aktuellen Basiszeitraum.
Die Formel für die Baukostenfortschreibung lautet:
Baukosten (alt) x Baupreisindex (neu) / Baupreisindex (alt) = Baukosten (neu)
Gegeben: Im 2. Quartal des Jahres 2004 betrugen die Baukosten, inklusive der Außenanlagen, der Ausstattung und der Baunebenkosten für den Neubau eines Mehrfamilienhauses insgesamt ca. 750 Euro je m² Hausfläche (geschätzter Wert).
Der Baupreisindex für „Wohngebäude-Bauleistungen insgesamt“ betrug Ende 2004 genau 101,1 Prozent.
Der Baupreisindex für „Wohngebäude-Bauleistungen insgesamt“ betrug im August 2007 genau 112,0 Prozent.
In diesen Baupreisindizes wurden ebenfalls die Kostenentwicklungen der Außenanlagen, der Ausstattung und der Baunebenkosten berücksichtigt.
Gesucht: Die Preisveränderung der Bau- und Baunebenkosten insgesamt in Euro je m² Hausfläche
Lösung: 750 Euro/m² x 112,0 / 101,1 = 830,86 Euro/m²
Die Bau- und Baunebenkosten wären von 750 Euro je m² Wohnfläche im Jahr 2004 auf 830,86 Euro je m² Wohnfläche im August 2007 gestiegen. Die Preissteigerung beträgt also 80,86 Euro je m² Wohnfläche.

Baukostenindex und Baupreisindex in der Praxis

Über den Baukosten- wie auch Baupreisindex können die Entwicklungen und Veränderungen der Baukosten wie auch der Baupreise miteinander verglichen werden. Das ist der hauptsächliche Sinn und Zweck dieser Indizes.
Der Baukostenindex kann u. a. auch als Grundlage für die Kostenermittlung bzw. Kostenfortschreibung neuer Bauvorhaben dienen.
Ein Beispiel: Für die Erstellung eines Mehrfamilienhauses wurden die Baukosten ermittelt. Die Realisierung kann aber erst ein Jahr später erfolgen, weil die Baugenehmigung nicht wie geplant vorlag. Über den Baukostenindex kann der Bauherr feststellen, um wieviel Prozent sich die Baukosten innerhalb des letzten Jahres verändert haben. Die veränderten Baukosten können nun den neuen Preisangeboten der Baufirmen gegenübergestellt werden. So erfährt der Bauherr, ob bzw. inwieweit die aktuellen Preisangebote der Baufirmen über bzw. unter dem Preisdurchschnitt liegen.
Wer es wünscht, kann auch auf die Kostenveränderung der Material- und Lohnkosten zurückgreifen und so die Veränderungen der Material- oder Lohnkosten gesondert miteinander vergleichen. Der Bauherr kann z. B. mit Hilfe des Baupreisindexes genau berechnen, wieviel die Errichtung seines Einfamilienhauses oder Bürogebäudes heute mehr kostet als vor drei Jahren. Aus diesen Erkenntnissen heraus können Rückschlüsse für zukünftige Entwicklungen gezogen werden.
Insbesondere nach einem längeren Baustop kann es hilfreich sein, mögliche Baupreissteigerungen über die jeweiligen Preisindizes für die entsprechende Bauleistung zu ermitteln. Vorsetzung ist, daß der Bauvertrag solch eine Regelung der veränderten Kosten bei einem Baustop zuläßt.
Der Baukostenindex wird zudem oft zur Berechnung der Versicherungssumme einer Immobilie herangezogen. Ändert sich der Baukostenindex so ändert sich prozentual hierzu auch der zu zahlende Versicherungsbetrag.
Indizes für Bauleistungen dienen u. a. auch als Bezugsgröße für Wertsicherungsklauseln in Miet- oder Pachtverträgen. Das Statistische Bundesamt spricht verständlicher Weise hierzu keine Empfehlungen aus. Es wird ausdrücklich an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn verwiesen, das für solche Fragen zuständig ist.
Inwieweit aus den Baupreisentwicklungen und Veränderungen der vergangenen Jahre auch verläßliche Prognosen für die Zukunft aufgestellt werden können, bleibt letztendlich eine Frage der individuellen Bewertung und Einschätzung. Die Entwicklung der Baupreise hängt von vielen Faktoren ab, die auf unterschiedlichste Art und Weise miteinander verbunden sind. Den größten Einfluß übt jedoch der Bau- und Immobilienmarkt mit Angebot und Nachfrage aus.
Die zwei wichtigsten Preisindizes für Bauherren finden Sie in der Publikation Preisindizes für die Bauwirtschaft - Fachserie 17 Reihe 4 - November 2007. (Den Preisindex für „Wohngebäude-Bauleistungen insgesamt“ unter Tabellenteil Punkt 1.3 und den Preisindex für „Einfamilienhäuser in vorgefertigter und konventioneller Bauart“ unter Tabellenteil Punkt 6)

Artikelinformationen:

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Über den Autor

Jürgen Rentner
Dipl. Ingenieur für Hochbau
Paßbild unseres Experten Jürgen Rentner

Die Immobilientrends des beginnenden 21. Jahrhunderts zu erfassen, die dahinterliegende Dynamik zu begreifen und die Ereignisse in Frage stellen, d. h. das Eigenleben der immer komplexer werdenden Immobilienwirtschaft zu ergründen, darin, so meine ich, besteht die Zielsetzung im Rahmen meiner Aktivitäten für den Immobilientutor. Auf das Sie in einer zum Teil unüberschaubaren Immobilienwelt wieder die Übersicht gewinnen.
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