Holzhäuser

Teil 1/2: Baustoff Holz

Holz im Schnee

Auch wenn sein Anteil in Deutschland beachtliche 10 Prozent und stetig mehr beträgt, das Holzhaus spaltet die Geister nach wie vor.
Wer einmal aufgefordert ist, sich zu der Überlegenheit von Massiv- oder Holzhaus zu äußern, beläßt es selten bei einem leidenschaftslosen "kann sein". Das Pro und das Kontra lehrt jedes mitgebrachte (Vor-)Urteil, da alle Welt eine Meinung zum Bauen und Wohnen hat und diese muß nicht einmal falsch sein. Kontra-Meinungen sind häufig solche: Holz brennt, fault, schwindet und quellt, wird rissig, feucht, morsch, ist ein Fressen für den Holzwurm und zudem hellhörig. Dass bei genauerem Hinsehen Entscheidendes für den Baustoff Holz spricht, liegt quasi in der Natur der Sache:

Holz ist brandtauglich (relativ)

Der Baustoff Holz ist brennbar, aber anders als landläufig bekannt. Beim Abbrand bewirkt die geringe Wärmeleitfähigkeit (Wassergehalt), daß eine Isolierschicht ausgebildet wird, die die thermische Zersetzung des Querschnittkerns erheblich verzögert. Wenn Holz Feuer fängt, tritt Wasserdampf aus. Es bildet sich eine Kohleschicht auf der Holzoberfläche, die isolierend wirkt. Indem das Holz an seiner Außenseite verkohlt, wird eine weitere Sauerstoffzufuhr ins Holzinnere verhindert und das Feuer erlöscht, falls nicht ständig neue Energie zugeführt wird. Mit diesem natürlichen Schutzeffekt gewährleistet das Holz eine überraschend gute Brandsicherheit. Die Tragkonstruktion behält auch unter hohen Temperaturen lange Zeit ihre Festigkeit. Wo sie gefordert sind, tragen Feuerschutz-Bekleidungen ihren eigenen Anteil dazu bei.

Holz ist tragfähig

Die Druckfestigkeit parallel zur Holzfaser ist – abhängig von der Holzart und der Länge der Druckfläche (bei Pfosten) – durchaus vergleichbar mit der anderer, ‚fester’ Materialien. Die Biegefestigkeit, d. h. die Tragfähigkeit beim Überspannen (Überdecken) größerer Räume kann durch besondere Konstruktionen wirtschaftlich gerechnet werden. Die Verringerung des Eigengewichts der Konstruktion spielt dabei eine Rolle, ermöglicht durch eine andere Anordnung von Schnittholz und Preßplatten (Kasten- und Gitterträger, Gitterschalen). Das Leimholz, die Verleimung von dünnem Vollholz (Brettschichtholz), macht den Querschnitt tragfester und formstabiler, was gleichermaßen wichtig ist für Pfosten und Balken, die sichtbar bleiben sollen. Das vergleichsweise günstige Eigengewicht der Holzkonstruktion kommt dann besonders zum ‚Tragen’, wenn z. B. bei Aufstockungen keine großen Lasten nach unten abgetragen werden können.

Holz ist alterungsfähig

Holzauge

Nach einer Studie der Universität Leipzig zur Holzrahmenbauweise liegt die Gesamtnutzungsdauer von Holzhäusern, die ab 1985 gebaut wurden, bei 80 Jahren, vergleichbar mit der von Massivhäusern. Die technische Lebensdauer kann weit über 100 Jahre betragen. Davon zeugen nicht zuletzt die vielen, immer noch nutzbaren Holzhäuser der Bau- und Heimatgeschichte (z. B. Fachwerkhäuser). Ihre überaus hohe Haltbarkeit ist begründet in den tradierten und in der Neuzeit weiterhin sorgsam betriebenen Holzschutzmaßnahmen. Alterungsfähig meint aber auch, daß – bei entsprechender Wartung – Holzhäuser gutartig altern, d. h. in charakteristischer Weise ansehnlich bleiben, ohne einer Ästhetik des Morbiden zu verfallen.

Holz ist ökologisch,

insofern das sogenannte ökologische Gleichgewicht durch seine Gewinnung, Verarbeitung und Beseitigung nicht gestört ist. Für den Fall der Gewinnung gilt, daß die Maßnahmen der Forstwirtschaft dem Grundsatz der Nachhaltigkeit unterworfen sind, d. h., es wird höchstens soviel Holz eingeschlagen wie nachwächst. Für den Fall der Verarbeitung ist nachweisbar, daß der Energieaufwand hierfür deutlich geringer ist im Vergleich mit den gängigen Baustoffen Zement, Kunststoff, Stahl und Aluminium. Dazu trägt auch der Faktor Transportweg bei, wenn heimische Holzarten verwendet werden. In Deutschland beträgt die durchschnittliche Entfernung vom Wald zum Sägewerk nur 55 Kilometer. Für den Fall der Beseitigung gilt, dass ihr Ertrag größer ist als der Aufwand. Holz verrottet und sein Verrotten ist nutzbringend, weil es zur Humusbildung beiträgt. Holz ist insgesamt ein umweltverträglicher Rohstoff, der eine vorbildliche Ökobilanz aufweist.

Holz ist ökonomisch,

Holzbalken

wenn in knappen Grundstückslagen ein Mehr an Wohn- oder Nutzfläche (10 bis 15 Prozent) ausschlaggebend werden kann. Der Zugewinn wird erreicht durch die relativ geringe Dicke besonders der Außenwände, bedingt durch den mehrschaligen Aufbau. Die werkstattmäßige Vorfertigung der Konstruktionselemente verringert die Bauzeit und hilft Baukosten und Zinsen sparen. Die Eigenleistung des Bauherrn ist mit der Handlichkeit und der guten Verarbeitbarkeit des Materials problemloser. Wechselnde Ansprüche an Räume und Nutzungen, die mit der höheren Lebensdauer von Haus und Mensch immer zu erwarten sind, sollten nicht zu Aufgabe und Verkauf der Immobilie nötigen. Solche Änderungen sind mit der Skelett- oder der Holzrahmenbauweise gut realisierbar zum einen über die Anpassungsfähigkeit des Grundrisses (Flexibilität der Nutzung) und zum anderen über seine Erweiterbarkeit in einem Geschoß oder in und mit mehreren Geschossen durch nichttragende Trennwände und Aufstockungen bzw. An- und Ausbauten (Variabilität der Räume). Selbstverständlich lassen sich Holzkonstruktionen nicht nur für das Einzelhaus ideen- und variantenreich gestalten, sondern ebenso für Hausgruppen im Sinne des verdichteten, flächensparenden, will sagen kostensparenden Bauens.

Holz ist gesund,

Holzstapel / Baumstämme

insofern von ihm bei der Verarbeitung und mehr noch im fertiggestellten Bauwerk mindestens keine gefährdenden (Negativdefinition), eher noch förderliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ausgehen und das langfristig gesehen. Wohngesundheit – hier bezogen auf die Baustoffqualität – bezieht sich auf die Wirkungsgrößen Raumklima, Akustik, Emissionen und Elektroklima. Das Raumklima ist nach Kriterien wie Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur und Temperaturschichtung, Luftbewegung und Oberflächentemperatur von Wänden und Decken zu beurteilen. Im Falle der Holzkonstruktion sind die Außenwände so beschaffen, dass verbrauchte Luft und Gerüche aufgenommen und nach außen abgeleitet werden (Diffusion). Die Schwankungen der Luftfeuchtigkeit sind durch Aufnahme und Abgabe vermittelt und ausgeglichen. Dieser Vorgang äußert sich im sprichwörtlichen Leben des Holzes. Damit ist gemeint das Ziehen, Reissen und Verformen, wenn es sich um Vollhölzer handelt, die mit einer Feuchte von 20 Prozent und mehr verarbeitet wurden. Bauherren, die solche Sicht- und Lautmerkmale nicht als naturgemäß akzeptieren, achten besonders auf lange Lagerzeiten des Bauholzes und auf die Verfahren der künstlichen Trocknung. Holz darf keiner aufsteigenden Feuchtigkeit (Erdreich, Fundamente) ausgesetzt sein, Niederschläge müssen abgeleitet werden können. Der vorbeugende, sogenannte konstruktive Holzschutz gewährleistet dies z. B. durch Dachüberstände, durch Hinterlüftung von Fassaden und durch ausreichend große Sockelhöhen (Spritzwasserschutz). Generell gilt: eingebaute Feuchte ist schädlich und muß vermieden werden. Holz, das – auf welche Weise auch immer – naß geworden geworden ist, muß austrocknen können. Eine regelgerechte Holzkonstruktion kennt demzufolge auch keinen Schimmelpilz. Holzschädlinge haben unter diesen Bedingungen ebenfalls keine Chancen. Mit Rücksicht auf die Wohngesundheit wurden die Anforderungen an den Holzschutz mittels chemischer Wirkstoffe minimiert. Nur dort wo der bauliche Holzschutz nicht ausreicht, werden chemische Maßnahmen ergänzend notwendig, bei Holz im Freien oder bei statisch belasteten und zugleich durch Wasser dauerhaft gefährdeten Konstruktionen, die der Sichtkontrolle nicht zugänglich sind. Diese Schutzmittel werden auf Verträglichkeit für Mensch und Umwelt geprüft und zugelassen. Gesundheitsbedenkliche Emissionen sind im Holzbau nicht (mehr) zu erwarten.

Holz ist wärmend

Der Baustoff Holz kann zwar keine Wärme speichern. Der Wärmedämmwert aber ist schon bei Vollholz beachtlich aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit. Eine sehr gute Dämmwirkung erreicht die Außenwand mit dem mehrschaligen Aufbau. Von eigener Art ist die gefühlte Wärme. Sie beruht auf der Anmutung des Holzes, die in Räumen Behaglichkeit und Wohlbefinden befördern kann, nicht zuletzt wegen der wahrnehmbar warmen Oberflächentemperatur von Fussboden, Wand und Decke.

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Über den Autor

Roland Föll
Architekt
Paßbild unseres Experten Roland Föll

Durch Neigung und Interesse verbinden sich auf meinem Berufsweg das sinnenhaft Handgreifliche von Material und Konstruktion mit dem Drang, Gebautes 'wissenschaftlich' zu analysieren. Meine gutachterlichen Stellungnahmen zur Bewertung von Grundstücken sind in der Konsequenz Ergebnis dieser symbiotischen Praxis.
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