Passivhäuser werden billiger

In den Köpfen der meisten Hauskäufer ist der Glaubenssatz, daß Passivhäuser teurer sind, als Standardhäuser fest verankert. Immer wieder erfahren wir von unseren Kunden dieses Vorurteil.
Diese These ist für den Energieberater und Bauunternehmer eine Herausforderung. Was ist ein Passivhaus?
Gemäß Passivhaus-Institut Darmstadt muß ein Passivhaus folgende Kriterien erfüllen:
  • Heizwärmebedarf <= 15 kWh/m² pro Jahr
  • Heizlast <= 10 W/m²
  • Luftdichtheit n50 <= 0,6/h
  • Primärenergiebedarf <= 120 kWh/m² pro Jahr
Es ist nun Aufgabe der Planer und Architekten ein Haus zu bauen, daß diesen Ansprüchen genügt und preiswert zu bauen ist. Die Planungsprinzipien sind klar definiert:
  1. Dämmung,
  2. Luftdichtheit,
  3. Vermeidung von Wärmebrücken.
Das Passivhauskonzept basiert auf dem Prinzip die Wärmeverluste zu minimieren und die solaren Wärmegewinne zu erhöhen. Dieses Planungskonzept bringt mitunter die bizarren Kastenbauten mit Pultdachkonstruktionen hervor, mit denen wir Passivhäuser inzwischen verbinden.
Zusammenfassend sind folgende Aufgaben für den Bauunternehmer zu lösen:
  • Preiswerten Wandaufbau mit errechneten Dämmwerten herstellen.
  • Wärmbrücken vermeiden.
  • Bauelemente verbauen, die dem Passivhausstandard genügen.
  • Luftdichtheit herstellen.
  • Haustechnik installieren, die die Luftwechselrate gewährleistet und den Heizwärmebedarf erzeugt.
Für die Gebäudehülle bietet sich die Leichtbauweise an. Eine Holzrahmenkonstruktion kann als Tragwerk verwendet werden. In die Holzständer kann Dämmung eingelegt werden. Das Holztragwerk wird mit einer Bauplatte ausgesteift. Es handelt sich somit um eine Bautafel. Die Tafel kann mit weiterer Dämmung beschichtet werden. Im Inneren kann die Wand durch eine Folie abgeschlossen werden. So ist die Luftdichtheit sehr einfach herzustellen. Verkleidet wird die Wand mit einer Bauplatte. Das Dach wird ebenfalls als Holztragwerk hergestellt und entsprechend der Anforderungen gedämmt.
Für die Herstellung der Außenwände von Passivhäusern werden somit Dämmstoffe, Holz, Bauplatten und Putz benötigt. Besonders an die Fenster und Türen werden erhebliche Ansprüche gestellt. Passivhausfenster werden inzwischen von der Industrie bereits in Serie gefertigt und sind somit keine preisintensiven Sonderanfertigungen.
Die Bauelemente und Baustoffe für ein Passivhaus sind zu attraktiven Preisen einzukaufen und einfach zu verbauen. Aus meiner Erfahrung sind besonders die technischen Einbauten mit zusätzlichen Kosten verbunden.
Für ein Passivhaus werden an technischen Installationen benötigt:
  1. Kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung,
  2. Heizung für die Abdeckung des Heizwärmebedarfes und
  3. Warmwasserbereitung.
Die Anbieter von Heizungstechnik bieten inzwischen Kombinationsgeräte an, die mehrere Systeme miteinander verbinden. Aus unserer Erfahrung ist es sinnvoll die Aufgaben separat anzugehen und zu lösen. Dabei sollte auch die Nutzung beachtet werden. Aus unserer täglichen Beratungspraxis ist bekannt, dass ein Seniorenehepaar eine um 2 °C erhöhte Raumtemperatur als angenehmer empfindet und eine Familie mit 3 Kindern einen sehr viel höheren Warmwasserbedarf hat.
Betrachten wir ein Kompaktgerät, wie es inzwischen viele Hersteller anbieten. In die Kompaktgeräte sind die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung, eine Wärmepumpe und ein Wasserspeicher integriert. Inzwischen haben die Hersteller festgestellt, dass sich die Spezialisierung auf das Passivhausmarkt zu wenig Umsatz generiert und haben Systeme für Niedrigenergiehäuser entwickelt.
Diese Kombinationssysteme sind momentan noch sehr teuer und es ist sinnvoll durch einen Haustechnikplaner eine Preis/Leistungsbilanz aufstellen zu lassen. Stellen wir uns vor, daß wir für die Haustechnik 10.000 € mehr bezahlen, als für eine sinnvolle Kombination von Komponenten. 10.000 € Investitionskosten bedeuten auch zusätzliche Zins- und Tilgungszahlungen und genau diese Investitionsmehrkosten sollten einer möglichen Einsparung gegenübergestellt werden.
Für mein Musterhaus habe ich auf der Webseite http://www.klima-sucht-schutz.de/neubau1.0.html mal nachgerecht. Auch andere Experten bescheinigen mir, daß die Erdgasheizung die preiswerteste Variante ist.
Allerdings hat die Holzpelletsheizung die beste CO2 Bilanz. Die meisten meiner Kunden fragen nach den Investitionskosten und dem Return on Invest. Wir müssen die Haustechnik beim Passiv- und Niedrigenergiehaus sehr genau hinterfragen. Es kann sein, dass in Passivhäuser Standardheizsysteme eingebaut werden können. Die zwingend benötigte Lüftungsanlage verursacht Investitionsmehrkosten von maximal 6.000 €, die sich allein durch die Zinsersparnis des KfW Programms „Ökologisch Bauen“ refinanzieren läßt.
Unabhängige Beratung und einfache Berechnungen zeigen sehr schnell, dass die Baukosten für ein Passivhaus durch sinnvolle Planung reduziert werden kann. Besonders bei der Haustechnik ergeben sich erhebliche Einsparungspotentiale, wenn Standardsysteme verwendet werden. Wir Energieberater schulden unseren Auftraggebern eine Lösung, die Systeme und Kosten optimiert. Das ist unsere Aufgabe und dafür sind wir ausgebildet.

Artikelinformationen:

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