Rekonstruktion im Geiste der ModerneTeil 3/3: Fensterband und Dachterrasse3. Das FensterbandDie freie Grundrißgestaltung im Wohnungsbau wurde möglich durch die Übernahme der im Industrie- bzw. Gewerbebau längst gebräuchlichen Skelettbauweise. Sie gestattet eine nicht durch vorgegebene Wände behinderte, sondern nur der Nutzungsanforderung gemäße Organisation des Raumes. Die Moderne in der Architektur „bekannte" sich zu dieser Struktur, indem sie sie auch in der Fassade sichtbar darstellte. In den „Fünf Punkten zu einer neuen Architektur" (1926) von Le Corbusier und Pierre Jeanneret ist ein Punkt dem sog. Langfenster gewidmet: „Die Stützen bilden mit den Zwischendecken rechteckförmige Fassadenöffnungen, durch welche Licht und Luft reichlich eintreten. Das Fenster reicht von Stütze zu Stütze, es wird somit ein Langfenster. ... Die Räume sind auf diese Weise von Wand zu Wand gleichmäßig beleuchtet. ..." (Quelle) Während in der obigen Erklärung Aspekte zur Sinnesphysiologie vorgetragen werden, verbindet Frank Lloyd Wright mit dem Fensterband die Anschauung der organischen Architektur, die die Natur - die Prärie des Mittelwestens - in das Bauwerk einbezieht: „..., durch den ihnen innewohnenden Charakter für die Umgebung geschaffen - mit dem Boden vermählt. Das ist modern!" (Quelle) Das Fensterband betont die Horizontale der Bauform, für Wright ein gesellschaftspolitischer, quasi demokratischer Ausdruck.Erich Mendelsohn führt das Bild des Bandes in seinen gewerblichen Geschoßbauten zu einer Erscheinung von vollendeter dynamisch-plastischer Eleganz. Wenn wir uns wiederum auf die Rekonstruktion besinnen, so entdecken wir im Dachtragwerk des Altbaus solche mit dem Skelettbau vergleichbare konstruktive Bedingungen. Auf dem Schrägdach stellt der Dachhecht das strukturell geordnete Fensterband dar. Die Dachgestaltung der Leipziger Straße „verwandelt" den Hecht in das Langfenster der Moderne. An die turmhafte Eckpositur des Gebäudes leitet hier das Fensterband mittels einer Viertelkreis-Rundbogengaube über. Mit geschärfter Aufmerksamkeit nehme ich jetzt wahr, daß schon andere Altbauen diese Kennzeichen der Moderne tragen. Übrigens lassen sich Anfänge des Fensterbandes in der hiesigen Renaissancearchitektur erkennen. 4. Die DachterrasseIm bescheidenen Rahmen ist am Objekt die Dachterrasse, wenn auch nicht der Dachgarten, die Nutzebene des modernen Flachdaches. Sie ist in der originalen Deutung von Le Corbusier ein naturnaher Ersatz der überbauten Grundfläche des Hauses, eine demonstrative Zurückgewinnung des verlorenen grünen Bodens.ArtikelreiheArtikelinformationen:
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ArtikelreiheVerwandte Themen:ImmobilientutorServiceAngeboteÜber den AutorRoland FöllArchitekt
Durch Neigung und Interesse verbinden sich auf meinem Berufsweg das sinnenhaft Handgreifliche von Material und Konstruktion mit dem Drang,
Gebautes 'wissenschaftlich' zu analysieren. Meine gutachterlichen Stellungnahmen zur Bewertung von Grundstücken sind in der Konsequenz Ergebnis
dieser symbiotischen Praxis.
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