Projektsteuerung im Rahmen des ganzheitlichen Immobilienmanagements

Teil 2/2: Nutzen der Projektsteuerung

In der Praxis ist die Einschaltung externer Projektsteuerer vor allem bei anspruchsvolleren Hochbauten, komplexen Ingenieurbauwerken, Verkehrsanlagen und Anlagenbauten festzustellen. Zuhnehmende Bedeutung erlangt die Projektsteuerung bei der Freimachung und Revitalisierung von Altstandorten und Industriebrachen sowie der Konversion militärischer Altlasten mit den erforderlichen Abbruch-, Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen.
Als Mindestgröße für die Einschaltung externer Projektsteuerer sind meist Investitionsvolumen ab 2,5 Mio. Euro zu nennen.
Der Nutzen von Projektsteuerungsleistungen ist in zweifacher Weise zu definieren.
Im engeren, d. h. betriebswirtschaftlichen Sinne, besteht er in der Erfüllung der Projektziele für Funktionen, Qualitäten, Kosten und Termine sowie gegebenenfalls in deren Übererfüllung, z. B. durch Unterschreitung des Kostenrahmens oder der Projektdauer.
Der Nutzen im weiteren, d. h. gesellschaftlichen Sinne, bezieht sich auch auf die Produktions- und Nutzungsbedingungen der an der Projektentwicklung, -planung, -ausführung und -nutzung beteiligten Personen sowie auf die Auswirkungen des Projektes auf seine Umwelt. Kriterien des Nutzens im weiteren Sinne sind z. B. auch die Vermeidung von projektbedingtem Stress, von Gerichtsprozessen, von Behinderungsanzeigen und von Nutzerbeschwerden.
Die Nutzenstiftung ganzheitlichen Projektmanagements aus Projektleitung und Projektsteuerung und damit sämtlicher Auftraggeberfuktionen besteht damit in der Sicherung der Qualitäts-, Kosten- und Terminziele einerseits sowie in der Sicherung angemessener Produktions-, Arbeits- und Nutzungsbedingungen für Projektbeteiligte und künftige Nutzer und der Umweltverträglichkeit andererseits.

Erfahrungen beim Einsatz der Projektsteuerung

Beim Einsatz der Projektsteurung konnten folgende Erfahrungen gesammelt werden:
Das Streben nach 100 % Perfektion kann vermieden werden. Der Nutzer braucht nicht mehr als notwendig zu fordern, der Planer keine Sicherheitsreserven einbauen. Der Planer kann auf „Kannvorschriften“ aus Sicherheitsüberlegungen oder Honorargründen verzichten. Investitionen können realistisch geschätzt und gesteuert werden. Die große Versuchung, Sicherheiten einzuplanen, ist aufgrund der Transparenz nicht nötig. Änderungen können in ihrer Auswirkung transparent gemacht werden und sind damit leichter entscheidbar.
Bessere Projektergebnisse sind immer dort zu erzielen, wo die Planer die Projektsteuerung akzeptieren, da auch sie vom reibungsloseren Ablauf profitieren.
Der Nutzen durch den Einsatz der Projektsteuerung wird bewirkt durch klare Aussagen bezüglich der Anforderungen, der Kosten und der Termine bei der internen Projektgenehmigung. Damit wird stets eine abgesicherte Basis für unternehmerische und betriebswirtschaftliche Entscheidungen geschaffen.
Der wirtschaftliche Vorteil beim Einsatz der Projektsteuerung liegt bei einer Investitionskostenreduzierung von ca. 15 %, in Ausnahmefällen bis zu 28 %, gegenüber ungesteuerten Projekten bei einem Aufwand von 1,5 bis 3,0 % der Investitionssummen.
Diese Reduzierungen würden ermöglicht durch Vermeiden von Änderungen während der Planung und während der Ausführung bzw. durch rechtzeitige Entscheidungen über Änderungswünsche sowie durch ausreichende Bearbeitungszeiten für Planung und Ausschreibung sowie wirtschaftliche Ausführungsfristen.
Mit diesen Erfahrungen kann belegt werden, daß der Aufwand und das damit verbundene Honorar für die Projektsteuerung allein durch den erzielbaren monetären Vorteil um ein vielfaches wieder erwirtschaftet werden.

Empfehlung für Bauherren

Als Fazit läßt sich an jeden Bauherren die Empfehlung ableiten, zunächst eine effiziente Projektorganisation aufzubauen und auf qualifizierten Projektvorgaben zu bestehen. Der größte Fehler des Bauherrn (im Sinne des Entscheidungsträgers) besteht häufig in seiner Bereitschaft, Fachleuten zu glauben. Projektsteuerung darf nicht auf Glaubensbekenntnisse reduziert werden, hierbei bedarf es professioneller Management- und Kontrollverfahren, die den Projektverlauf in jeder Phase mit allen Komponenten transparent und damit steuerbar machen.
Die Einschaltung externer Projektsteuerer kann bei vielen Projekten vor Schäden aus hobbymäßiger Wahrnehmung von Bauherren-Funktionen bewahren.
Aber auch externe Projektsteuerung liefert keine Garantie für einen erfolgreichen Projektverlauf. Der Bauherr muß auch die Tätigkeit des externen Projektsteuerers hinterfragen und Erklärungen zum Geschehen, zur Leistung-, Termin- und Kostensituation abfordern.
Schaden läßt sich nur dann vermeiden, wenn ein qualifizierter Bauherr durch einen qualifizierten Projektsteuerer qualifizierte Entscheidungsgrundlagen erhält, die selbstverständlich auf einer qualifizierten Planung beruhen.

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Artikelinformationen:

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Über den Autor

Jürgen Rentner
Dipl. Ingenieur für Hochbau
Paßbild unseres Experten Jürgen Rentner

Die Immobilientrends des beginnenden 21. Jahrhunderts zu erfassen, die dahinterliegende Dynamik zu begreifen und die Ereignisse in Frage stellen, d. h. das Eigenleben der immer komplexer werdenden Immobilienwirtschaft zu ergründen, darin, so meine ich, besteht die Zielsetzung im Rahmen meiner Aktivitäten für den Immobilientutor. Auf das Sie in einer zum Teil unüberschaubaren Immobilienwelt wieder die Übersicht gewinnen.
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