Projektsteuerung im Bauwesen

Teil 1/4: Ausgangslage

Bei der Planung und Realisierung von Bauprojekten verbleiben für den Bauherrn, unabhängig von den beauftragten Leistungen bei Architekten, Gutachtern und Baufirmen, eine Fülle an Aufgaben, Erfordernissen und Leistungen, deren konsequente Wahrnehmung und Erfüllung für den Projekterfolg unerläßlich sind.
Die wachsenden Anforderungen in Hinsicht auf Qualitäten, Kosten und Termine haben zu der Entwicklung geführt, daß Bauherren ab einer bestimmten Größenordnung des Projekts die notwendigen Steuerungsleistungen nicht mehr komplett wahrnehmen können. In diesen Fällen führt oft die Einschaltung eines externen Projektsteuerers zur notwendigen Entlastung des Bauherrn.

Grundlagen

Die Begriffe Projektmanagement, Projektsteuerung, Controlling oder speziell Baucontrolling werden in der Praxis meist synonym verwendet. Dabei ist z. B. die Aufgabe des Controllers nicht in der deutschen Bedeutung des Wortes Kontrolle zu verstehen, sondern vielmehr in seiner anglo-amerikanischen Bedeutung Steuern oder Lenken.
Ein Bauprojekt als Vorhaben ist im wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Summe gekennzeichnet und ist daher als Gesamtheit der Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mittel für die Abwicklung eines Bauprojektes definiert.
Die Bedingungen sind z. B.
  • die Zielvorgabe,
  • zeitliche, finanzielle, personelle oder andere Begrenzungen,
  • die Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und
  • die projektspezifische Organisation.
Hieraus läßt sich ableiten, daß Projektmanagement sowohl Projektleitung als auch Projektsteuerung einschließt. Dabei obliegt der Projektleitung die Verantwortung für die Erreichung der Projektziele, weshalb diese mit entsprechenden Vollmachten zur Entscheidung, Weisung und Durchsetzung auszustatten ist. In Ergänzung hierzu bereitet die Projektsteuerung Entscheidungen vor, veranlaßt Lösungsvorschläge, sorgt für einen reibungslosen Ablauf und die Erstellung von Dokumentation. Das Ziel ist, Sicherheit für die Projektleitung zu schaffen.

Aufgabenstellung

Jeder Bauherr sollte sich begleitend zum Projektstart darüber im klaren sein, ob und in welchem Maße eigene personelle Ressourcen bestehen, um die anstehende Bauaufgabe zu leiten und/oder zu steuern. Wird eine interne Projektsteuerung angestrebt, so ist in Abhängigkeit vom Projekt zu beurteilen, inwieweit der betrachtete Personenkreis entsprechende Qualifikationen und Fähigkeiten, Erfahrungen im Projektmanagement, persönliche Durchsetzungsfähigkeit, Rückhalt und Vertrauen beim Bauherrn besitzt.
Darüber hinaus ist in diesem Fall sicherzustellen, daß sowohl die zur erfolgreichen Durchführung notwendigen freien Kapazitäten als auch die organisatorischen und technischen Voraussetzungen beim Bauherrn vorhanden sind.
Die Vielfalt und die Komplexität von Bauaufgaben erlauben es in vielen Fällen nicht, eine entsprechend geeignete Bauabteilung vorzuhalten, gerade dann, wenn das eigentliche Unternehmenskerngeschäft einen völlig anderen Zweck abdeckt. Spätestens an dieser Stelle wird die Vergabe von Bauherrenleistungen an einen externen Projektsteuerer zwingend erforderlich.

§ 31 Projektsteuerung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) trägt dem dargestellten Umstand Rechnung, indem in § 31 festgelegt wird, daß Leistungen der Projektsteuerung von Auftragnehmern erbracht werden, wenn sie Funktionen des Auftraggebers bei der Steuerung von Projekten mit mehreren Fachbereichen übernehmen.
Wesentlich an diesem Paragraphen ist unter anderem, daß hieraus keine Übernahme von Leistungen oder Honoraren anderer im Rahmen des Bauprojektes involvierten Architekten und Planer abgeleitet wird.
Die in der Vergangenheit und auch heute noch vielfach geführte Diskussion, ob die Führungsrolle des Architekten durch die Einschaltung einer Projektsteuerung in Frage gestellt wird, kann deshalb nur zu dem Resultat führen, daß der "oberste fachlich Beteiligte" der Bauherr ist, der sich nach eigenen Überlegungen gegebenenfalls in seinen Aufgaben durch eine externe Projektsteuerung verstärken kann.

Leistungsbild der Projektsteuerung

Das in der HOAI im § 31 angegebene Leistungsbild umreißt nur sehr grob den Aufgabenumfang in Hinsicht auf fachliche Bandbreite und inhaltliche Tiefe und überläßt dies, ebenso wie die Honorierung, der freien Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.
Die Leistungsinhalte, aufgeteilt in Grundleistungen und besondere Leistungen, sind in den einzelnen Projektphasen in vier Handlungsbereiche gegliedert:
  1. Organisation, Information, Koordination und Dokumentation
  2. Qualitäten und Quantitäten
  3. Kosten und Finanzierung
  4. Termine und Kapazitäten
Die definitiven Leistungsinhalte sind aber in jedem Fall an die im Einzelfall vorliegenden Gegebenheiten anzupassen. Hierbei seien beispielhaft der Zeitpunkt für die Einschaltung einer Projektsteuerung oder auch der Bedarf bzw. die konkreten Vorstellungen des Bauherrn als maßgebend genannt. So können private oder gewerbliche Bauherren, wenn sie über keine eigene Bauabteilung mit entsprechendem Fachpersonal verfügen, Projektleitungsaufgaben an einen externen Projektsteuerer delegieren. Bei Einschaltung eines Generalplaners und/oder eines Generalunternehmers sind im Vergleich zu den entsprechenden Einzelleistungen einer Projektsteuerung Verschiebungen und auch Reduzierungen im Leistungsbild sinnvoll und notwendig. Grundsätzlich ist bei dem in vier Handlungsbereiche aufgegliederten Leistungsbild zu beachten, daß zwischen diesen Handlungsbereichen zum Teil intensive Wechselwirkungen und Interaktionen bestehen, deren Kenntnis und deren ganzheitliche Bearbeitung Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektsteuerung sind.

Artikelinformationen:

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Über den Autor

Jürgen Rentner
Dipl. Ingenieur für Hochbau
Paßbild unseres Experten Jürgen Rentner

Die Immobilientrends des beginnenden 21. Jahrhunderts zu erfassen, die dahinterliegende Dynamik zu begreifen und die Ereignisse in Frage stellen, d. h. das Eigenleben der immer komplexer werdenden Immobilienwirtschaft zu ergründen, darin, so meine ich, besteht die Zielsetzung im Rahmen meiner Aktivitäten für den Immobilientutor. Auf das Sie in einer zum Teil unüberschaubaren Immobilienwelt wieder die Übersicht gewinnen.
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